Julia Krebs
- 1 Besuch pro Semester
- Bevorzugte Regionen: Salzburg
- Bietet individuelle Besuche an.
- Besucht gerne: Kindergärten, Volksschulen, SEK I, SEK II, Sonderschulen und inklusive Schulzentren
- Keine anfallenden Kosten für die Schule.
Forschungsschwerpunkte
Gebärdensprachen sind vollwertige natürliche Sprachen. Jede Gebärdensprache hat eine eigene Grammatik, die sich sowohl von der Grammatik anderer Gebärdensprachen, als auch von der Grammatik der Lautsprachen des jeweiligen Landes unterscheidet. Die Grammatik der Österreichischen Gebärdensprache (ÖGS) unterscheidet sich beispielsweise deutlich von der Grammatik des Deutschen. Gebärdensprachen werden durch manuelle Komponenten (Hände und Arme) und nicht-manuelle Komponenten (z.B. Bewegungen des Oberkörpers, der Schultern, des Kopfes, der Wangen, der Nase, des Mundes, der Augenbrauen und Blickbewegungen) im Gebärdenraum gebildet.
Im Gehirn werden Gebärdensprachen in denselben sprachrelevanten Regionen und durch vergleichbare Verarbeitungsprozesse wie Lautsprachen verarbeitet. Auch im kindlichen Spracherwerb zeigen sich ähnliche Entwicklungsverläufe und sprachliche Muster. Die Untersuchung von Gebärdensprachen ermöglicht es zu erforschen, wie die Sprachmodalität (visuell-manuell vs. auditiv-oral) die Struktur, neuronale Verarbeitung und den Erwerb von Sprache beeinflusst – und welche Aspekte universell für alle Sprachen gelten, unabhängig von ihrer Modalität.
Die Gebärdensprachforschung ist noch ein relativ junges Forschungsfeld. Lange Zeit herrschte die falsche Annahme, Gebärdensprachen seien keine „richtigen" Sprachen. Wer jedoch versucht, eine Gebärdensprache als Fremdsprache zu erlernen, merkt schnell: Gebärdensprachen sind alles andere als einfach.
Gemeinsam mit meinen Forschungskolleg:innen und der österreichischen Gehörlosengemeinschaft erforsche ich die Österreichische Gebärdensprache. Meine Arbeit befasst sich mit der grammatischen Struktur, der neuronalen Verarbeitung und dem Erwerb der ÖGS.
Referenz:
Krebs, J., & Fenkart, L. (2024). Einführung in die Grammatik der Österreichischen Gebärdensprache. Das Handbuch. Verlag Fenkart. https://oegshandbuch.my.canva.site/
Aktuelle Projekte
Komplexe Prädikate in der Österreichischen Gebärdensprache (ÖGS): In Gebärdensprachen können Veränderungen der Arm- und Handbewegung (z.B. Geschwindigkeit, Beschleunigung, Dauer) die Bedeutung von Gebärden verändern. Bei der Bildung sogenannter komplexer Prädikate wird die Bewegungskomponente eines Verbs oder eines prädikativ verwendeten Adjektivs verändert, um zusätzliche Informationen über das beschriebene Ereignis bzw. den beschriebenen Zustand auszudrücken (z.B. ob das Ereignis einen Endpunkt beinhaltet, wie lange es dauert oder ob es wiederholt stattfindet). In diesem Forschungsprojekt wird untersucht, wie komplexe Prädikate in der Österreichischen Gebärdensprache (ÖGS) gebildet werden und wie hörende Personen, die ÖGS als Fremdsprache erlernen, diese Strukturen erwerben.
Referenzen:
Krebs, J. (2025). Linguistische Funktionen der Bewegungskomponente in der Österreichischen Gebärdensprache (ÖGS). Das Zeichen. Zeitschrift für Sprache und Kultur Gehörloser, 39(125), 90-99.
Krebs, J., Wilbur, R. B. & Malaia, E. A. (2026). Testing the Event Visibility Hypothesis in Austrian Sign Language (ÖGS), Language and Cognition, 18, e14, 1–31.
Krebs, J., Harbour, E., Malaia, E. A., Wilbur, R. B., Martetschläger, J., Schwameder, H. & Roehm, D. (2025). Sign Language Encodes Event Structure Through Neuromotor Dynamics: Motion, Muscle, and Meaning. Frontiers in Psychology, 16, 1689676.
Wortstellung in der Österreichischen Gebärdensprache (ÖGS): Sprachen unterscheiden sich in ihrer Grundwortstellung und darin, welche Wortstellungsvariationen möglich sind.
Die ÖGS gehört zu den Sprachen mit der Grundwortstellung Subjekt-Objekt-Verb (SOV). In bestimmten Kontexten sind Abweichungen möglich: Zum Beispiel kann das Objekt vor dem Subjekt stehen (OSV) oder das Verb zwischen Subjekt und Objekt erscheinen (SVO). Allerdings sind nicht alle Wortabfolgen erlaubt – bestimmte Varianten sind nur in spezifischen Kontexten grammatikalisch korrekt. In diesem Projekt wird untersucht, welche grammatischen Beschränkungen die Wortstellung in der ÖGS bestimmen bzw. welche Faktoren die Wortstellung in der ÖGS beeinflussen.
Referenzen:
Krebs, J. (2025). How animacy impacts word order in Austrian Sign Language (ÖGS): Evidence from sentences with inanimate subject arguments. Lingua, 325, 104003.
Krebs, J. & Wilbur, R. B. (2024). Word order in the context of extensional and intensional events in Austrian Sign Language (ÖGS), Glossa: a journal of general linguistics, 9(1).
Krebs, J., Malaia, E., Wilbur, R. B. & Roehm, D. (2018). Subject preference emerges as cross-modal strategy for linguistic processing. Brain Research, 1691, 105-117.
Auszug aus dem wissenschaftlichen Werdegang
- Seit 2025 Assistenz Prof. für Gebärdensprachlinguistik an der Universität Salzburg
- 2023-2027 Stipendiatin des ESPRIT Programms finanziert vom Wissenschaftsfond FWF
- 2018-2023 Postdoc am Fachbereich Linguistik an der Universität Salzburg
- September - Dezember 2017 Aufenthalt an der Purdue University (Indiana, USA)
- 2013-2017 Doktorat in Psycho-/Neurolinguistik mit Schwerpunkt Gebärdensprachen an der Universität Salzburg
- April-Juli 2013 Aufenthalt an der Georg-August-Universität Göttingen
- 2011-2013 Masterstudium Linguistik an der Universität Salzburg
- 2009 - 2011 Bachelorstudium Linguistik an der Universität Salzburg
- 2006 - 2009 Ausbildung zur Gebärdensprachdolmetscherin für Österreichische Gebärdensprache und Deutsch in Linz