Scham in der Klasse – (Klassen)-Scham in Bildungsinstitutionen beforschen
Kurzbeschreibung des Forschungsprojekts
Im Projekt Daring Emotions („Gefühle wagen!“) forschen Schüler/innen, Künstler/innen, Studierende, Lehrende und Wissenschaftler/innen gemeinsam zu Gefühlen in Bildungs- und Professionalisierungsprozessen.
Im speziellen Forschungsstudio zu Scham geht es darum, herauszufinden, wie gesellschaftliche Machtverhältnisse das Fühlen von Scham in Schule und Universität hervorbringen. Bedeutende gesellschaftliche Ordnungskategorien wie Geschlecht, Rasse oder Klasse beeinflussen oftmals, wer sich wofür schämt oder wofür beschämt wird. Besonders im Fokus des Forschungsprojekts ist die Scham aufgrund sozialer Herkunft, die hier als Klassenscham untersucht wird. Schüler/innen können z.B.: Scham empfinden, weil ihre Eltern die Projektwoche nicht finanzieren können, weil sie um Unterstützungen ansuchen oder weil sie die Hausaufgaben ohne die Unterstützung Erziehungsberechtigter (etwa mit akademischer Ausbildung) erledigen müssen. Studierende aus Arbeiter/innenfamilien berichten beispielsweise oft, dass sie sich an der Universität schämen, weil sie die Hochsprache nicht so gut sprechen wie Kolleg/innen, die sie schon zu Hause gelernt haben.
So können mögliche Forschungsfragen im Projekt aussehen: In welchen Bildungssituationen zeigt sich Klassenscham? Wie fühlen sich Schüler/innen und Studierende, wenn sie sich schämen? Welche Bedeutung hat Scham zur Aufrechterhaltung von Klassenverhältnissen? Welche Auswirkungen hat Klassenscham auf die Bildungswege und -entscheidungen von Schüler/innen und Studierenden?
Themenanregungen für die ABA und Diplomarbeit
- Schamsituationen von Schüler/innen bzw. Umgangsweisen damit in Unterricht und Schule (Methode: z.B. Interviews)
- Auswirkungen von Schamerlebnissen auf Bildungsentscheidungen (Methode: z.B. Interpretieren bildungssoziologischer Studien)
- Klassenscham bei Schüler/innen, Erziehungsberechtigten oder Lehrer/innen (Methode: z.B. Analyse literarischer oder (auto)sozio-biografischer Texte)
Einstiegsliteratur
- Abou, T. (2024). Klassismus im Bildungssystem (1. Auflage). Unrast Verlag.
- Dörr, M. (2014). Hüterin des Selbst vs. Kontrollfunktion: Einleitung in den Schwerpunk „Scham und Beschämung“. Sozial Extra, 38(3), 37–38. doi.org/10.1007/s12054-014-0064-3
- Eribon, D. (2016). Rückkehr nach Reims (T. Haberkorn, Übers.). Suhrkamp.
- Fasching, H. (2024). Betrachtungen von Übergängen unter klassenspezifischer Perspektive in Österreich. In K. Siegert & A. Handelmann (Hrsg.), Übergänge mit Klasse. Klassismus im Kontext von Übergangsgestaltung (S. 33–47). Verlag Julius Klinkhardt. doi.org/10.25656/01:29797
- Illouz, E. (2024). 7 Scham und Stolz: Wie andere uns definieren (M. Adrian, Übers.). In Explosive Moderne (4. Auflage, Originalausgabe, S. 267–306). Suhrkamp.
- Marks, S. (2013). Scham im Kontext von Schule. Soziale Passagen, 5(1), 37–49. doi.org/10.1007/s12592-013-0131-9
- Neckel, S. (2024). 11 Subordinatives Fühlen: Scham. In A. Diefenbach & V. Zink (Hrsg.), Emotions- und Affektsoziologie (S. 195–202). De Gruyter. doi.org/10.1515/9783110589214-014
- Ruff, M.-B. (2024). Scham, Schamabwehr und Beschämung: Ambivalenzen, Herausforderungen und Möglichkeiten im Umgang mit Scham in politischer Bildung. Gesellschaft – Individuum – Sozialisation. Zeitschrift für Sozialisationsforschung, 5(1). doi.org/10.26043/GISo.2024.1.2
- Ruff, M.-B., & Petrik, F. (2024). Die leise Macht der Scham: Rassismus, soziale Klasse und die (Re-)Produktion sozialer Ungleichheit. Journal für Psychologie, 32(1), Article 1. doi.org/10.30820/0942-2285-2024-1-10
- Sandner, G., & Ginner, B. (Hrsg.). (2021). Emanzipatorische Bildung: Wege aus der sozialen Ungleichheit. Mandelbaum Verlag.
- Schäfer, A., & Thompson, C. (2009). Scham. Ferdinand Schöningh. doi.org/10.30965/9783657767250
- Stöhr, W., & Schulze, G. C. (2024). Die Emotion Scham in der Schule: Schulische Schamsituationen aus der Perspektive ehemaliger Schüler:innen. Journal für Psychologie, 32(1), 51–72. doi.org/10.30820/0942-2285-2024-1-51